Freitag, 23. September 2016

[Film] Anomalisa ⭐️⭐️⭐️⭐️

© 2015 Paramount Pictures. All Rights Reserved.







Trickfilm = Kinderfilm?

Im Folgenden wiederhole ich eigentlich nur, was die Kollegen von nerdtalk.de immer wieder anmerken: Ein Zeichentrick- oder Animationsfilm ist nicht immer mit einem Kinderfilm gleichzustellen. Ohne Frage überwiegt die Anzahl der Trickfilme, die ebenfalls für Kinder geeignet sind, dennoch gibt es viele Trickfilme, die auch für die Eltern oder andere Erwachsene funktionieren. Manchmal können Kinder auch bestimmte Aspekte der Trickfilme noch gar nicht verstehen, oder diese Filme sprechen die Kinder auf einer und die Erwachsenen auf einer anderen Ebene an. 

Mit Anomalisa gibt es nun sogar einen Trickfilm, der eindeutig nicht für Kinder geeignet ist. Bereits das Cover sieht eher nachdenklich und traurig, weniger fröhlich und bunt aus, die FSK-Einstufung 12 zeigt dies ebenso an. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so oft Ausdrücke wie „Fick dich“ in einem Film gehört, und dass auch noch komprimiert auf 87 Minuten. Wo kämen wir denn da mit der Sprache unserer Kinder hin?! :D Aber natürlich ist das nicht das einzige Problem, der Film enthält ganz einfach viele Aspekte, die Kinder noch nicht verstehen bzw. mit denen sie sich noch nicht auseinandersetzen können und wollen. Dass solche Klischees nicht einfach nur hingenommen werden, sondern mit „Anomalisa“ auch mal eine Gegenbewegung gestartet wird, das hat mir sehr gefallen.

Der Inhalt:


Der Inhalt des Filmes ist eigentlich relativ schnell zusammengefasst: Michael Stone, Buchautor, fliegt extra für eine Vorlesung für einen Tag nach Cincinnati. Im Großen und Ganzen ist er genervt von den Menschen, die alle nur eine bestimmte Fassade aufrecht erhalten und wünscht sich einfach nur ein bisschen Abwechslung von seinem grauen Alltag. Am Abend vor seiner Lesung kommt es zu einem Treffen zwischen Michael und Emma sowie Lisa, die extra für seine Lesung angereist sind und in demselben Hotel übernachten. Michael empfindet etwas ganz Besonderes für Lisa, die sonst eher das Mauerblümchen ist und es nicht gewohnt ist, dass sich jemand für sie interessiert. Die beiden verbringen die Nacht zusammen in Michaels Hotelzimmer, dann ist an Michael zu entscheiden, wie es weitergehen soll.

Meine Rezension:


Wie bereits im Vorhergehenden erwähnt, fand ich den Grundgedanken des Filmes toll, einen Trickfilm mal aus einer ganz anderen Perspektive zu erschaffen. „Anomalisa“ ist zu großen Teilen sehr düster und traurig, doch ab dem Zusammentreffen der beiden Hauptcharaktere hingegen auch wieder etwas hoffnungsvoll. Das Cover der DVD wird von einem Zitat aus der Süddeutschen Zeitung geziert, darin heißt es: „Charlie Kaufmans Anomalisa ist ein hinreissend menschlicher Trickfilm“. Dieses Zitat würde ich so unterstreichen, denn obwohl auf den ersten Blick klar ist, dass es sich um „Puppen“ handelt, man die einzelnen Bestandteile genau sehen kann und an einer Stelle im Film sogar direkt damit gearbeitet wird, vergisst man diesen Fakt doch immer wieder. Es könnten genauso gut Schauspieler sein, die diese Rollen spielen würde. Ich denke, dass diese Vermenschlichung, die mein Unterbewusstsein immer wieder vorgenommen hat, von zwei Punkten herrührt. Auf der einen Seite sind alle Figuren sowie deren Umwelt unglaublich detailreich gearbeitet wurden und im Speziellen die kleinen (unauffälligen) Makel lassen sie so menschlich erscheinen. Auf der anderen Seite werden die Emotionen der einzelnen Figuren jeweils von einer sehr menschlichen und natürlichen Mimik und Gestik unterstützt. An der Optik des Filmes kann ich daher nichts kritisieren, jedoch kam meiner Meinung nach bei dem bezaubernden Drumherum die eigentliche Story etwas zu kurz. Auch wenn ich realistische Filme mit nachdenklichem Charakter eigentlich mag, so hätte ich mir an dieser Stelle doch noch etwas mehr Inhalt gewünscht.

Meine Bewertung:


Absolut sehenswert, hat nur leider, wie ich finde, sein Potenzial nicht voll ausgeschöpft.

(4 von 5 Sternen) 

Trailer:




Links:


im Stream
bei letterboxd.de

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